IHK-Mittagsgespräch in Haren zum Abgasskandal

(13.06.2017) „Der Abgasskandal bei Diesel-Pkw wirft zahlreiche Fragen auf. Viele Kunden, die ein solches Fahrzeug erworben haben, fühlen sich getäuscht. Kaufinteressenten schieben ihre Entscheidung auf, auch weil mehrere Städte aufgrund der Verletzung der EU-Vorschriften zur Luftreinhaltung jetzt Fahrverbote für Diesel-Pkw prüfen. Über den Vertrauensschaden hinaus droht also noch ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden“, erläuterte Ulrich Boll, Vorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses, jetzt beim IHK-Mittagsgespräch in Haren (Ems).
Als Gesprächspartner hatte die IHK den Europaabgeordneten Jens Gieseke eingeladen. Er war Ko-Berichterstatter im Untersuchungsausschuss des EU-Parlaments und hat sich somit seit Ende 2015 intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Als Zeugen hörte der Ausschuss u. a. die ehemaligen EU-Industriekommissare Günter Verheugen und Antonio Tajani, heute Präsident des EU-Parlaments, sowie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Der Abschlussbericht wurde am 4. April 2017 in einer Plenarsitzung in Straßburg verabschiedet. Darin werden Hersteller wie Behörden deutlich in die Pflicht genommen, um solche Vorfälle künftig auszuschließen.
„Unsere Arbeit im Untersuchungsausschuss hat ergeben, dass mehrere Hersteller Fahrzeuge auf die speziellen Testbedingungen im Labor ausgerichtet haben und die Grenzwerte nur dort eingehalten wurden“, berichtet Gieseke. „Parallel zur Untersuchung des Abgasskandals hat die EU daher an ergänzenden Prüfverfahren gearbeitet und im Februar 2016 die Ermittlung von Verbrauchswerten im Praxisbetrieb nach dem RDE-Verfahren („Real Driving Emissions“) vorgeschrieben. Dessen Grenzwerte schreiben eine maximal zulässige Abweichung von den Laborwerten vor. Der Faktor für die zulässige Abweichung ist ab September 2017 einzuhalten und wird bis 2020 dann abgesenkt. Die EU-Mitgliedsstaaten sind jetzt zu einer genaueren Kontrolle der Testwerte und Prüfverfahren verpflichtet. Die Europäische Union wird auch darauf achten, dass die einheitlichen Standards von den nationalen Prüfbehörden eingehalten werden“, so Gieseke.
Zielsetzung müsse sein, die Schadstoffbelastung aus dem Verkehr möglichst effizient zu senken. Engagiert warb der Europaabgeordnete daher für Technologieoffenheit auf dem Weg zu einer emissionsarmen Mobilität, in der auch der Dieselmotor eine Zukunft haben könne. Eine feste Quote etwa für Elektrofahrzeuge lehnte er dagegen ab.
Weitere Informationen: IHK, Eckhard Lammers, Tel.: 0541 353-210 oder E-Mail: lammers@osnabrueck.ihk.de